Ich war nun schon einige Zeit pessimistisch für Griechenland, bin aber doch von der Schnelligkeit der Entwicklung überrascht. Griechenland-Anleihen mit 2 Jahren Laufzeit erbrachten gestern Renditen von über 13 %. Spätestens Mitte Mai braucht das Land neue Milliarden und die sind über die Finanzmärkte – bei solchen Konditionen – nicht mehr zu beschaffen. Natürlich lässt sich über die Spekulanten schimpfen – auch ich habe das getan; offensichtlich waren sie aber doch vertrauenswürdiger als die griechischen Politiker und sie haben die Lage richtig eingeschätzt.
Die Politik hat sich bereits auf ein Hilfspaket festgelegt, auch wenn deutsche Politiker gerne behaupten, bisher sei keine Entscheidung gefallen. Verhandelt wird jedoch nur noch um Details. Klar ist auch, dass die jetzt in Rede stehend 45 Milliarden € nicht reichen werden. Griechenland wird mindestens noch 2011 und 2012 Hilfen in ähnlicher Größenordnung brauchen. Doch es gibt Alternativen: zum einen die Wiedereinführung des Drachme, zum anderen eine Umschuldung.
Die Wiedereinführung einer nationalen griechischen Währung hätte große Vorteile. Wenn Griechenland den Drachme wieder aufleben ließe und morgen alle griechischen Verbindlichkeiten 1:1 auf Drachme umgestellt würden, dann würde wohl binnen kurzem der Drachme um vielleicht 20 % an Wert verlieren. Die griechischen Schulden würden entsprechend entwertet und wären leichter zu bezahlen. Die Gläubiger, also Banken, Fonds und Privatanleger, müssten den Wertverlust des Drachme tragen. Eine Abwertung des Drachme würde zudem griechische Waren wieder billiger machen und so die griechische Wirtschaft ankurbeln. Die Abwertung ist damit die bessere Alternative zu den griechischen Sparpaketen, die ebenfalls griechische Waren billiger machen sollen, aber gleichzeitig zu einer Depression führen. Ganz ohne Einschränkungen für die Griechen ist allerdings auch eine Abwertung nicht. Für Importgüter müssten die Griechen erheblich mehr bezahlen. Außerdem beträfe die Abwertung auch die Spareinlagen bei griechischen Banken, die ebenfalls umgestellt würden.
Hier beginnen allerdings die praktischen Schwierigkeiten. Sobald die bevorstehende Wiedereinführung des Drachme bekannt würde, zögen natürlich alle, die Einlagen bei griechischen Banken haben, ihre Guthaben ab, um die stabileren Euros zu behalten. Die griechischen Banken würden die Währungsumstellung kaum überleben.
Solange dieses Problem nicht gelöst werden kann, bleibt Alternative 2: die Umschuldung. Anstatt die Steuerzahler Europas zu bemühen, müssten die Gläubiger selbst nachschießen. Praktisch geschähe das, indem man die alten Anleihen in neue mit längerer Laufzeit eintauschte. Auch so lassen sich die 45 Milliarden aufbringen.
Auch eine Umschuldung birgt Risiken. Sie lassen sich aber beherrschen. Vorraussetzung ist, dass bei einer solchen Aktion wirklich alle eventuell noch im Keller lagernden Leichen ans Licht kommen. Nur dann werden die Finanzmärkte trotz Umschuldung neues Vertrauen gewinnen und Griechenland wieder Geld geben. Anders als bei einer Währungsumstellung kann Griechenland bei einer Umschuldung Sparmaßnahmen (und eine wahrscheinlich daraus resultierende Wirtschaftskrise) nicht vermeiden. Denn die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit des Landes im Euroraum gehört zu diesen Leichen im Keller. Dafür lässt sich die Wirkung auf die Banken besser kalkulieren. Und sollte wirklich eine Bank über ihre Zockerei mit griechischen Staatsanleihen fallen: Nicht alle Banken sind systemrelevant.