Aug232010

Wirtschaftswende ist beendet – Der Wirtschaftswurm lebt

Das Projekt Wirtschaftswende ist beendet. Um ein Hintertürchen offen zu halten, sage ich mal, bis auf Weiteres. Das heißt aber nicht, dass es keinen Wirtschaftsblog mehr von meiner Seite gibt. Ich schreibe nun als Wirtschaftswurm in meinem persönlichen Blog und nicht mehr für das Zentrum für Friedenskultur. Meine neuen Ergüsse sind ab heute unter der Adresse www.wirtschaftswurm.net zu finden. Ich hoffe, den ein oder anderen Leser von hier auch dort begrüßen zu dürfen.

Jul262010

Sommerpause

Man hat es wohl schon gemerkt. Im Moment ist Sommerpause hier im Blog. Auch die Kommentierfunktion ist abgeschaltet, um die Moderation, sprich das Löschen von Spam, zu sparen. In welcher Form es weitergeht, werden Sie demnächst hier erfahren.

Jun042010

Der mündige Verbraucher

Adam Fletcher entmündigt erfolgreich Verbraucher. Der T-Shirt-Produzent lässt nicht die Kunden ihre T-Shirts auswählen, sondern übernimmt die Auswahl selbst anhand eines “kleinen Psychotests”. Und offensichtlich sind viele Kunden froh, sich über so etwas Banales wie das T-Shirt-Design keine Gedanken mehr machen zu müssen.

Viele wären auch sicher froh, sich über Sachen wie die Haltungsbedingungen ihres Schnitzels, bevor es zum Schnitzel wurden, den CO2-Ausstoß ihres Autos oder den Zuckergehalt ihres Joghurts keine Gedanken mehr machen zu müssen. Der mündige Verbraucher ist einfach überfordert, wenn er im Supermarkt die Welt retten soll. Wir hören das Wort vom mündigen Verbraucher gerne, denn es schmeichelt uns. Aber die Last die damit verbunden ist, wollen und können wir nicht tragen.

Daher ist es an der Zeit, dass der  “mündige Verbraucher” auch aus politischen Debatten verschwindet.  Vor allem die FDP bemühte das Schlagwort bisher gerne. Doch meistens wird der mündige Verbraucher nur vorgeschickt, damit hinter seinem Rücken die Produzenten ihre Machenschaften ungestört weitertreiben können.

Mai262010

Flassbeck versus Hickel

Auf den Nachdenkseiten läuft seit Anfang Mai eine Diskussion zwischen Heiner Flassbeck, Chefvolkswirt bei der UNO-Organisation für Handel und Entwicklung, und Rudolf Hickel, emeritierter Professor für Finanzwissenschaft an der Uni Bremen. Nachzulesen hier und hier.

Hickel fordert einen Forderungsverzicht der Gläubiger Griechenlands im Rahmen einer Umschuldung. Flassbeck dagegen sieht dadurch keine Probleme gelöst, denn die eigentlichen Probleme des Landes liegen in der stark defizitären Leistungsbilanz. Deutschland solle Griechenlands Leistungsbilanz unterstützen, indem es sein Lohndumping einstellt.

Wie häufig bei solchen Streitigkeiten haben meiner Meinung nach beide Recht. Natürlich würde es auch Griechenland helfen, wenn in Deutschland die Löhne stiegen und Deutschland in der Folge mehr importieren würde. Aber erstens geht das nicht von heute auf morgen, die griechischen Zahlungsprobleme sind aber akut, und zweitens macht der Handel mit Deutschland nur 10,5% des gesamten Außenhandels Griechenlands aus. Die Wirkung auf Griechenland wäre also nicht allzu groß.

Die Begründungen, warum Flassbeck eine Umschuldung ablehnt, bleiben dagegen diffus. Die viel beschworenen Gefahren für das Bankensystem taugen kaum als Argument. Im Zweifel muss der Staat eine Bank übernehmen, die sich mit Griechenland-Anleihen verspekuliert hat. Was soll’s?

In dem Zusammenhang muss man vor der Gefahr warnen, aus dem Euro einen politischen Mythos zu machen. Das war schon der Fehler bei der Einführung des Euro, das ist auch der Fehler der Bundeskanzlerin, wenn sie behauptet, bei der Währungsunion gehe es um nicht mehr und nicht weniger als um die Bewahrung der europäischen Idee. Eine Währung ist ein praktisches Hilfsmittel, um Waren zu bezahlen. Nicht mehr und nicht weniger.

Mai122010

Die Kosten des Euro

Der Artikel wurde verschoben und ist nun nachzulesen unter http://www.wirtschaftswurm.net/?p=69.

Mai062010

Liebe Bundestagsabgeordnete,

dieser Artikel wurde verschoben und ist nun nachzulesen unter http://www.wirtschaftswurm.net/?p=72.

Apr272010

Was tun mit Griechenland?

Ich war nun schon einige Zeit pessimistisch für Griechenland, bin aber doch von der Schnelligkeit der Entwicklung überrascht. Griechenland-Anleihen mit 2 Jahren Laufzeit erbrachten gestern Renditen von über 13 %. Spätestens Mitte Mai braucht das Land neue Milliarden und die sind über die Finanzmärkte – bei solchen Konditionen – nicht mehr zu beschaffen. Natürlich lässt sich über die Spekulanten schimpfen – auch ich habe das getan; offensichtlich waren sie aber doch vertrauenswürdiger als die griechischen Politiker und sie haben die Lage richtig eingeschätzt.

Die Politik hat sich bereits auf ein Hilfspaket festgelegt, auch wenn deutsche Politiker gerne behaupten, bisher sei keine Entscheidung gefallen. Verhandelt wird jedoch nur noch um Details. Klar ist auch, dass die jetzt in Rede stehend 45 Milliarden € nicht reichen werden. Griechenland wird mindestens noch 2011 und 2012 Hilfen in ähnlicher Größenordnung brauchen. Doch es gibt Alternativen: zum einen die Wiedereinführung des Drachme, zum anderen eine  Umschuldung.

Die Wiedereinführung einer nationalen griechischen Währung hätte große Vorteile. Wenn Griechenland den Drachme wieder aufleben ließe und morgen alle griechischen Verbindlichkeiten 1:1 auf Drachme umgestellt würden, dann würde wohl binnen kurzem der Drachme um vielleicht 20 % an Wert verlieren.  Die griechischen Schulden würden entsprechend entwertet und wären leichter zu bezahlen. Die Gläubiger, also Banken, Fonds und Privatanleger, müssten den Wertverlust des Drachme tragen. Eine Abwertung des Drachme würde zudem griechische Waren wieder billiger machen und so die griechische Wirtschaft ankurbeln. Die Abwertung ist damit die bessere Alternative zu den griechischen Sparpaketen, die ebenfalls griechische Waren billiger machen sollen, aber gleichzeitig zu einer Depression führen. Ganz ohne Einschränkungen für die Griechen ist allerdings auch eine Abwertung nicht. Für Importgüter müssten die Griechen erheblich mehr bezahlen. Außerdem beträfe die Abwertung auch die Spareinlagen bei griechischen Banken, die ebenfalls umgestellt würden.

Hier beginnen allerdings die praktischen Schwierigkeiten. Sobald die bevorstehende Wiedereinführung des Drachme bekannt würde, zögen natürlich alle, die Einlagen bei griechischen Banken haben, ihre Guthaben ab, um die stabileren Euros zu behalten. Die griechischen Banken würden die Währungsumstellung kaum überleben.

Solange dieses Problem nicht gelöst werden kann, bleibt Alternative 2: die Umschuldung. Anstatt die Steuerzahler Europas zu bemühen, müssten die Gläubiger selbst nachschießen. Praktisch geschähe das, indem man die alten Anleihen in neue mit längerer Laufzeit eintauschte. Auch so lassen sich die 45 Milliarden aufbringen.

Auch eine Umschuldung birgt Risiken. Sie lassen sich aber beherrschen. Vorraussetzung ist, dass bei einer solchen Aktion wirklich alle eventuell noch im Keller lagernden Leichen ans Licht kommen. Nur dann werden die Finanzmärkte trotz Umschuldung neues Vertrauen gewinnen und Griechenland wieder Geld geben. Anders als bei einer Währungsumstellung kann Griechenland bei einer Umschuldung Sparmaßnahmen (und eine wahrscheinlich daraus resultierende Wirtschaftskrise) nicht vermeiden. Denn die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit des Landes im Euroraum gehört zu diesen Leichen im Keller. Dafür lässt sich die Wirkung auf die Banken besser kalkulieren. Und sollte wirklich eine Bank über ihre Zockerei mit griechischen Staatsanleihen fallen: Nicht alle Banken sind systemrelevant.

Apr212010

Verkehrsminister verfliegt sich in der Vulkanaschewolke

Seit gestern Abend sind verlässliche Messwerte vorhanden. In 3 1/2 bis 6 km Höhe schwebt eine Vulkanaschewolke über Deutschland. “Die Konzentration großer Vulkanstaub-Partikel sei vergleichbar mit der, wie man sie bei Sandstaubwolken aus der Sahara beobachte, die auch bis nach Deutschland gelangen.” So beschreibt Spiegel Online die Daten. Wie gefährlich das für Flugzeugtriebwerke und Flugzeuge sein kann, darüber herrscht nach wie vor Uneinigkeit. Viel Erfahrung mit Vulkanausbrüchen hat man halt noch nicht im internationalen Luftverkehr.

Ist aber auch egal. Denn ohne die Messungen abzuwarten, wurden schon vorher Fakten geschaffen. “Die Sicherheit steht an oberster Stelle.” So hieß es anfangs von Verkehrsminister Ramsauer. Nach drei Tagen Flugverbot knickte er aber ein. Plötzlich waren “kontrollierte Sichtflüge” erlaubt. Sicherlich ist es richtig, eine Lageeinschätzung zu ändern, wenn neue Daten und Fakten vorliegen. Neue Daten und Fakten lagen aber am Sonntag noch nicht vor, nur scharfe Proteste der Fluglinien, für die jeder Tag Flugverbot wirtschaftliche Verluste bedeutet.

“Ramsauer in Erklärungsnot”, schreibt Spiegel Online zurecht. Mit den kontrollierten Sichtflügen wird lediglich eine Lücke im internationalen Regelwerk ausgenutzt. Es steht keine Sicherheitsphilosophie dahinter, außer die, dass alles Risiko auf die Piloten abgewälzt wird. Die Pilotenverinigung Cockpit wehrt sich laut FTD darum scharf gegen diese Regelung.

Es bleibt zu hoffen, dass die Politik wenigstens die nächste Herausforderung besser bewältigt. Die Fluggesellschaften “denken laut” (so die vornehme Umschreibung des Handelsblattes für nerviges Schreien) über Staatshilfen nach. Wieder einmal soll der Steuerzahler in Haftung genommen werden. Er wird behandelt, als sei er nun auch noch für Vulkanausbrüche verantwortlich.

Apr142010

45 Milliarden für wen?

Die Daten des Hilfspakets für Griechenland sind seit Sonntag raus: 45 Milliarden € von den Euroländern und dem IWF werden Athen in Aussicht gestellt. 8,4 Milliarden der Eurohilfen kommen aus Deutschland. Vergessen wird allerdings in den Meldungen, dass Deutschland natürlich auch an dem IWF-Anteil von 15 Milliarden beteiligt wird, so dass es bei den 8,4 Milliarden nicht bleiben wird.

Ob die Hilfen mit einer Zinssubvention verbunden sind, darüber mag man streiten. Die Deutschen brauchen sich auf jeden Fall nicht zu grämen. Deutschland muss zur Zeit 3,1 % Zinsen für 10-jährige Staatsanleihen zahlen und macht ein Geschäft, wenn es das Geld zu rund 5 % an Griechenland weitergibt. Zudem ist es wohl gelungen, mit der Bekanntgabe des Hilfspaketes die Spekulanten in die Schranken zu weisen. Der Kurs griechischer Staatsanleihen stieg deutlich (und damit sank ihre Verzinsung).

Den Griechen werden allerdings die 45 Milliarden nicht zugute kommen. Keine einzige Sparmaßnahme wird deswegen zurückgenommen werden. Frohlocken können allein die Gläubiger Griechenlands, hauptsächlich Banken. Ihre Kredite an den Balkanstaat stehen nun wieder auf einer sichereren Basis.

Und während so die Frage aus der Überschrift beantwortet ist, kommt gleich die nächste auf: Warum werden die Gläubiger nicht auch an dem Hilfspaket beteiligt? Warum müssen die Steuerzahler wieder für alles haften? Griechenland hat im Moment insgesamt einen Schuldenberg von 300 Milliarden €. Die Gläubiger bräuchten nur auf 7,5 % ihrer Forderungen zu verzichten, dann hätte man schon die Hälfte des Hilfspaketes zusammen. Warum verlangen Deutschland, die Euroländer und der IWF dieses nicht? Warum kämpfen sie nicht – zum Wohle ihrer Steuerzahler – für einen solchen Beitrag der Gläubiger?

Apr082010

Für seine Banken hat Griechenland noch Geld

Monatelang erzählt man uns, Griechenland stehe kurz vor der Pleite. Die griechische Regierung beschließt einschneidende Sparpakete, die von den Griechen einiges abverlangen, z. B. eine höhere Mehrwertsteuer und eine Kürzung der Löhne der Staatsangestellten um 12 %. IWF und EU bereiten sich auf eine – vermutlich sehr teure – Rettungsaktion für Griechenland vor. Und dann das: Athen stellt den griechischen Banken weitere 17 Milliarden € zur Verfügung.

Nein, ich habe es überprüft, das ist kein verspäteter Aprilscherz. Der Vollständigkeit halber kann ich nur ergänzen, dass die 17 Milliarden bisher noch nicht abgerufene Mittel aus dem 2008 beschlossenen griechischen Konjunkturpaketes sind und der größte Teil “nur” aus Bürgschaften besteht, die nicht in jedem Fall ausgezahlt werden. Trotzdem darf man sich als Grieche wie auch als nichtgriechischer Europäer “verarscht” fühlen. Wird das ganze Theater um Griechenland wirklich nur veranstaltet, damit auch die lausigsten Banken des Kontinents noch gut durch die Krise kommen? Erinnert sei daran, dass die Griechenlandkrise nicht unwesentlich durch die Stützung der griechischen Banken verursacht wurde. Und gefragt sei noch, was den griechischen Banken Bürgschaften eines Staates nützen, der kurz vor der Pleite steht.